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Abhängiges Propagandaorgan
Herausgegeben von Walter Moers
Mittwoch, 28. Juni 2017

Der wahre ADOLF –
„Der Führer tanzte nackt vor mir“

Arno-Breker-Ausstellung mit obszönen ADOLF-Skulpturen im „Haus der Kunst“

Was dem Fotographen Bert Stern mit seinen letzten Nacktaufnahmen von Marilyn Monroe gelang, ist womöglich auch Arno Breker mit seinen Skulpturen des nackten ADOLF geglückt: Er entblößte und entzauberte einen der größten Pop-Stars des 20. Jahrhunderts – verlieh ihm aber gleichzeitig auch ewigen Glanz und dauerndes Mysterium.

„Adolf tanzte gestern nackt vor mir“, schrieb Breker in seinen Memoiren. „Er gab mir alles. Alles!!!“ Was war geschehen? Es ereignete sich auf dem Höhepunkt von Adolfs weltpolitischer Karriere: Polen war überrumpelt, der Eiffelturm in deutscher Hand und die Renovierung von Berlin lief auf Hochtouren. Der Führer absolvierte einen seiner regelmäßigen Besuche im Atelier seines Lieblingskünstlers Arno Breker. Sie planten gemeinsam eine monumentale Skulptur des Führers aus Stahlbeton, die den Eiffelturm an Höhe übertrumpfen und die Autobahnzufahrt nach Berlin überspannen sollte. Dazu ist es nie gekommen, der Weltenlauf hat dieses ehrgeizige Unternehmen zweier verwandter Künstlerseelen verhindert.

An diesem Nachmittag war der launische Despot in aufgeräumter Stimmung und streunte lobend und scherzend durch Brekers Atelier. Der nüchterne Grund für die folgenden Ereignisse war die konsequente Abstinenz des Führers. Er, der Vegetarier und Gesundmensch, der keinen Alkohol vertrug, fand in Brekers Abwesenheit eine herumstehende Flasche Absinth – damals eine beliebte Droge in Künstlerkreisen –, die er mit Waldmeisterbrause verwechselte und kurzerhand leertrank.

„Diese Waldmeisterbrause schmäckt komäsch“, soll er noch unter Rülpsern gesagt haben, als Breker zurückkehrte – um sich dann vor den Augen des Bildhauers buchstäblich in eine andere Person zu verwandeln.

„Hasch mich – ich bin die Waldmeisterfee!“, rief der plötzlich enthemmte Despot, nachdem er sich die Kleider vom Leib gerissen hatte und völlig entfesselt durchs Atelier tanzte.

„Er legte eine Jazzplatte auf“, berichtete Breker später. „Eine Musik, die er eigentlich überhaupt nicht ausstehen konnte und für entartete Negerkunst hielt.“ Dann nahm der Führer unterschiedliche obszöne Posen ein und forderte Breker brüsk auf: „Mal mich, du Sau!“

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Breker war schockiert und amüsiert zugleich, ließ sich das aber nicht zweimal sagen und skizzierte mit fliegender Hand den nackten Diktator.

„Adolf hatte eine natürliche Begabung fürs Posieren, das wusste ich von seinen Reden“, erinnerte sich Breker. „Aber dass er auch als Nacktmodell professionell agierte, erstaunte mich. Er zeigte keinerlei Scham und präsentierte seinen nackten Körper mit größtem Selbstbewusstsein und Grazie. Der Führer gab den Posen sogar selber scherzhaft Titel: Eine nannte er Einmarsch in Polen, andere Einlauf im Männerheim oder Einsam in Wien. Wir hatten großen Spaß. So entspannt hatte ich Adolf nie zuvor erlebt.“

Schließlich brach der Diktator erschöpft zusammen, schlief auf dem Ateliersofa seinen Rausch aus und konnte sich am nächsten Tag an nichts mehr erinnern. Breker machte ihm weis, er habe eine allergische Reaktion von der Waldmeisterbrause erlitten, damit war die Sache zwischen den beiden erledigt. Arno Breker fertigte die Bronzen nach seinen Skizzen später heimlich an und versteckte sie über viele Jahrzehnte.

„Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich sie jemals öffentlich zeigen soll“, sagte Breker einmal. „Aber dann wurde mir klar, dass sie uns allen gehören – und auch einen Haufen Geld einbringen können. Sie zeigen den wahren Adolf! Den freizügigen Künstler und Bohemien, den heiteren Kunstmenschen, der aus ihm hätte werden können, hätte ihn nicht diese vernagelte Wiener Kunstakademie abgelehnt. Uns wäre einiges erspart geblieben.“

Arno & Adolf – Arno Brekers Skulpturenzyklus „Der nackte Adolf“ im „Haus der Kunst“

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