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Abhängiges Propagandaorgan
Herausgegeben von Walter Moers
Freitag, 18. August 2017

Endlich! Das A-Pad ist da!

APPLE©-Konkurrent ADOLF© bringt sein eigenes Tablet-PC heraus – in deutlich eigenwilliger Form, mit komplett alternativer Technik und zu einem sensationell kompetitiven Preis: 9 Euro 99 soll das LOWTECHBRETT (Eigenwerbung) kosten – preislich weit unter den anderen APPLE©- Konkurrenten. Wie war das möglich?

„Wir haben zunächst einmal auf die stark einschränkende Internet-Anbindung verzichtet“, erläutert Joseph Goebbels, der Pressesprecher von ADOLF©. „Facebook, Twitter, Youtube und den ganzen anderen Kinderkram kriegen Sie ja auf jedem Handy – das ist uns zu ordinär. Unser Credo lautet Exklusivität! Es ist erstaunlich, wie rasant die Kosten und Probleme sinken, wenn man sich diesen ganzen Social-Network-Scheiß mal vom Hals geschafft hat! Es ist, als ob man plötzlich hinaus an die frische Luft tritt und endlich frei durchatmet.“

Technik ohne Raum war gestern

„Das Pfund, mit dem wir wuchern können, heißt RAUM“, fährt Goebbels begeistert fort. „Technik ohne Raum – das war gestern. Womit vor allen Dingen der Platz für die Hardware gemeint ist. Ein kostbares Gut, das in der Computertechnologie fast völlig abhanden gekommen ist. Das wollten wir ändern – und zwar rücksichtslos! Wir haben uns an James-Bond-Filmen der 60er und 70er orientiert, die ja irgendwie zeitlos sind, nicht wahr? Damals waren die Computer der Superschurken, mit denen sie die Welt beherrschen wollten, auch immer sehr raumbeanspruchend. Da brauchte man ganze unterirdische Höhlensysteme oder Weltraumstationen, um sie unterzubringen. DAS waren noch Computer – Computer mit EIERN, wie wir gerne sagen! Da wollen wir wieder hin.“ Goebbels lacht jovial.

Mit Bleifuß in die Zukunft

Das A-Pad ist deutlich größer und schwerer als das I-Pad und etwa fünfzehnmal so dick. Spontan fallen einem Begriffe wie sperrig, übergewichtig und retro ein. Aber der erste Eindruck täuscht. „Anders als beim I-Pad hat man beim A-Pad viel mehr das Gefühl, tatsächlich etwas gekauft zu haben“, staunt ein Kunde. „Das Teil wiegt über 15 Kilo! Ich habe mir fast einen Leistenbruch geholt, als ich es aus dem Regal wuchtete.“

Tests im Windkanal zeigten, dass ein herkömmliches I-Pad schon bei Windstärke 7 fliegen geht, während das A-Pad noch bei Windstärke 10 stehen bleibt wie ein von Albert Speer entworfener Betonbunker in der Normandie. Was wohl der fingerdicken Bleiplatte zu verdanken sein mag, welche die findigen Techniker von ADOLF© im Geräteboden eingegossen haben.

„Wir haben lange darüber nachgedacht, wie man das Ding schwerer machen kann“, erzählt Goebbels schmunzelnd. „Ist Blei nicht irgendwie total schwer?“, fragte da eines Tages einer unserer Wissenschaftler. Da fiel es uns wie Schuppen von den Augen! Schwermetall! Das war die Lösung! Wir wollten zuerst Kruppstahl nehmen, aber der hat ein schlechtes Image beim Verbraucher. Dann Gold, das ist noch schwerer als Blei – aber das hätte den Preis für das Endgerät empfindlich in die Höhe getrieben. Dann hätte jedes A-Pad an die 150 000 Euro gekostet – was den Kundenkreis spürbar eingeschränkt hätte.“

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Freedom of no choice

Aber sonst wurde nirgends gespart. Während das I-Pad von Apple© über keinerlei Drehknöpfe verfügt, besitzt das A-Pad gleich zwei aus formschönem Bakelit in griffigem Art-Deco-Design.

„Ich kann mein A-Pad mit dem dicken Zeh bedienen – DAS nenne ich Fortschritt!“, lacht Joseph Goebbels und führt die Zehenbedienung gleich vor – zum beifälligen Gelächter seiner Security-Männer in den langen schwarzen Ledermänteln.

„Man muss sich überhaupt keine Passwörter mehr merken“, fährt der begeisterte Pressesprecher fort. „Keine Zugangscodes, keine verschlüsselten E-Mail-Adressen oder idiotische Geheimnamen von Facebookfreunden! Keine Firewall und auch keine verdammte Spam-Mail! Das gehört alles der Vergangenheit an. Man wird völlig frei im Kopf.“

Goebbels' Blick wird glasig und verklärt, als blicke er in eine bessere Zukunft.
„Der größte Vorteil“, schwärmt er, „ist das Entfallen von jedem individuellen Entscheidungsbedarf – das übernehmen wir! Was wir FREEDOM OF NO CHOICE nennen, bedeutet einfach: Keine Qual der Wahl mehr! Wofür braucht irgendjemand 15 Millionen Pixel oder 70 000 Apps? Bei uns gibt es nur EINEN Sender – aber den rund um den Globus! Und nur GUTE Nachrichten aus deutschen Landen! Nicht diesen verwirrenden Quatsch aus lauter Ländern, in denen nur Ausländer wohnen.“

Die Fäden des Internet zerreißen

Er gibt sich einen Ruck, seine Stimme wird wieder beherrscht, beinahe kalt. „Die Fäden des Internet, die digitalen Fesseln zerreißen – das ist unser revolutionäres Ziel. Wohin hat uns das ganze Gepixel denn eigentlich gebracht? Wenn man früher einen Parkplatz in einer digitalen Wolke mieten wollte, landete man ganz schnell in der Gummizelle einer Nervenheilanstalt – und zwar zu Recht! Wenn man früher seine Meinung sagen wollte, schrieb man einen geharnischten Leserbrief an den VÖLKISCHEN BEOBACHTER – und landete auch ganz schnell in einer Zelle. Auch DA wollen wir wieder hin! Geistige Gesundheit kann doch nicht darin bestehen, sich mit so vielen unsichtbaren Freunden wie möglich zu unterhalten! Mit dem A-Pad hat es sich AUSGEBLOGGT! Damit können Sie nicht mal eine SMS schicken.“ Er lacht triumphierend.

Das A-Pad ist ab sofort im Handel, in ausgewählten Bahnhofskiosken und
Sex-Shops für 9 Euro 99 erhältlich.

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